Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785 - 1871)

Wer sich auf die Spuren eines der bedeutendsten Reisenden des 19. Jahrhunderts begibt, landet in der Unterlausitz. Genauer gesagt in Bad Muskau und in Branitz, auf den ehemaligen Gütern des exzentrischen Adeligen. Eine unfassbare Persönlichkeit und eine der prominentesten seiner Zeit. Salonlöwe, Bestsellerautor, passionierter Reisender wie genialer Landschaftsgestalter, Frauenheld, Lebemann, Freigeist und patriotischer Offizier mit liberaler Gesinnung.

 

Bad Muskau, September 2019

Inspiriert durch eine Englandreise und von Goethe ermuntert begann der Fürst ab 1815 seine künstlerischen Landschaftspläne rund um das Schloss in Bad Muskau zu realisieren. Gewaltige Erdmassen wurden bewegt, jede Menge Bäume gepflanzt, Wasserläufe, Wege und Blickachsen angelegt. Dass der Park 2004 zum UNESCO-Welterbe gekürt wurde, zeigt, wie weitsichtig er dabei agierte. Einige der alten Baumriesen könnten wohl spannende und aufschlussreiche Geschichten aus dieser Zeit berichten, würden wir sie nur verstehen. Angeregt durch die sehenswerte Dauerausstellung im Schloss: „Pückler! Pückler? Einfach nicht zu fassen!“ begeben wir uns mit dem Fahrrad und ein wenig Fantasie auf eine spannende Zeitreise durch den Park. Eintauchen in eine Welt und ein Leben, die mir heute märchenhaft erscheinen. Eintauchen in die frühe Morgendämmerung der Moderne. Grenzübergreifend, mit ganz unterschiedlichem Charakter, zeigt sich das circa 830 Hektar große Areal diesseits und jenseits der Neiße. Es würde dem offenen Weltmann wohl gut gefallen, dass sein Park heute als ein Symbol der deutsch-polnischen Freundschaft gilt. Seine angespannten finanziellen Verhältnisse zwangen 1845 den verschwenderischen Lebemann die Herrschaft Muskau zu verkaufen und in das etwas bescheidenere Erbschloss in Branitz umsiedeln.

 

 

   

Schloss Branitz, September 2019

In Branitz musste Fürst von Pückler, nun ohne Muskau, in kleineren Dimensionen denken. Das hielt ihn aber nicht davon ab auch hier Berge zu versetzen. Er baute eine Landpyramide und eine im künstlich aufgestauten See, seine letzte Ruhestätte. Trotz Dauerregens zieht mich die wohl sortierte Gartenlandschaft in ihren Bann und so wandle ich verträumt und gut beschirmt auf den ausgeklügelt angelegten Wegen. Einen aufschlussreichen Einblick in die feudale Wohnwelt des Fürsten bekomme ich dann im Museum des Schlosses. Das freundliche Personal lässt durch ein paar überlieferte Anekdoten aus dem Leben des Fürsten, die damalige Zeit lebendig werden. Wer sich eingehender mit dem schillernden Aristokraten beschäftigen will, siehe meine Empfehlung unter Literaturtipps.